Ende 1986 verließen die drei Fat-City-Cycles-Angestellten Gwyn Jones, Gary Helfrich und Mike Augspurger ihren Arbeitgeber Chris Chance. Der Grund: Sie wollten sich selbstständig machen und die Produktion von Titan–Rahmen aufnehmen. Das Konzept ging auf – in den ersten drei Jahren verkaufte die Bostoner Titan–Schmiede Merlin rund 2000 High–Tech–Bikes.

bike: Gwyn, von den drei Firmengründern bist nur noch Du bei Merlin, warum ?
Jones: Gary und Mike reizt die Entwicklung. Nachdem wir die Anfangsprobleme mit dem schwierigen Werkstoff Titan gelöst hatten und die sture Produktion begann, sind die beiden wieder ausgestiegen, um neue Projekte anzugehen.
bike: Was ist die Besonderheit bei der Verarbeitung von Titan ?
Jones: Titan ist ein extrem empfindliches Metall. Es darf beim Schweißen weder mit Sauerstoff noch mit Öl oder sonstigem Schmutz in Verbindung kommen – sonst hält die Verbindung nicht. Das größte Problem ist der Sauerstoff. Gary Helfrich entwickelte für uns die Schweiß–Technik: Dabei schließen wir bei der Verarbeitung alle Rahmenrohre und pumpen sie mit dem Gas Argon voll. Auch rund um die Schweißstelle fließt ständig Argon.
bike: Woher bekommt ihr die Titan–Rohre ?
Jones: Von einer Firma, die Hydraulik–Leitungen für Flugzeuge herstellt. Es sind die gleichen Rohre, wie sie zum Beispiel in einer Boeing 747 eingesetzt werden. Ein großes Flugzeug braucht etwa eine Meile von diesen Leitungen. Man wählt Titan, weil es sehr stabil ist und etwa 40 Prozent weniger wiegt als hochwertiger Stahl.

bike: Was kostet denn ein Meter von diesen Rohren ?
Jones: Der Preis liegt je nach Durchmesser zwischen 60 und 200 Mark. Dabei mußt Du rechnen, daß Du für ein Bike etwa 4 Meter Rohre benötigst. Wir haben aber noch ein anderes Kosten–Problem: Alle Teile wie Ausfallenden, Bremssockel, Kabelführungen und Sattelklemmen müssen wir selbst aus Titan herstellen, da es dafür keine Zulieferer gibt. Unsere Ausfallenden kosten etwa das zehnfache von Stahl–Dropouts.
bike: Rechtfertigen die Fahreigenschaften eines Titan–Bikes überhaupt all den Aufwand und Materialpreis ?
Jones: Auf jeden Fall Wir bauen – abgesehen von dem Carbon–Rahmen CS–X EMS von Kestrel – den leichtesten Rahmen auf dem Markt. Außer dem niedriegen Gewicht hat Titan folgende Vorzüge: Es ermüdet extrem langsam, bietet optimalen Korrosionsschutz und besitzt hervorragende Elastizitäts–Eigenschaften.

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